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Liebe Leserinnen und Leser,

ich spüre im Advent immer eine tiefe Sehnsucht, die in der Luft liegt: All die Weihnachtsmärkte, Sterne und andere Lichter in den Fenstern, die Weihnachts-
deko in den Geschäften – so viele Versuche, Licht ins Dunkel zu bringen und die ungemütliche Zeit ein wenig wärmer und schöner zu machen, sprechen von der
tiefen Sehnsucht der Menschen nach Glück und Heil, nach Wärme und Licht.

Neben der Sehnsucht nach meiner Familie, herrscht bei mir meist die Sehnsucht nach der „himmlischen Ruh“ vor. Letztendlich kann das eigentliche Weihnachtsfest dann selten mit dem mithalten, was ich mir so lange herbeigesehnt hatte. Auch die Bibeltexte, die wir im Advent hören, berichten uns von Sehnsucht und der Hoffnung des Volkes Israel, dass ihr Retter und Messias bald kommen möge. Wir Christen glauben, dass der Retter vor 2000 Jahren geboren wurde, aber trotzdem gibt es noch so viel Schlechtes in der Welt: Die Nachrichten sind voll von Krieg, Armut, Krankheit und Tod. Das verstärkt unsere Sehnsucht nach Hoffnung und Licht nur noch weiter.

Die Schriftstellerin Nelly Sachs unterstellt uns, dass sich in der vielen Sehnsucht der Menschen auch die Sehnsucht nach Gott verbirgt, wenn sie schreibt:

Alles beginnt mit der Sehnsucht.

Der blaue Himmel

das endlose Band der Straße

der Mensch sieht ein Sinnbild des Lebens darin.

Immer ist im Herzen

Raum für mehr, für Schöneres, für

Größeres.

Immerfort sich hinstrecken

auf ein Kommendes.

Das ist des Menschen Größe und Not.

 

Sehnsucht nach Verstehen,

nach Freundschaft, nach Liebe.

Und wo Sehnsucht sich erfüllt,

dort bricht sie noch stärker auf:

dass es so bleibe,

dass es nicht vorübergehe.

 

Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott,

mit dieser Sehnsucht nach

dem Menschen an?

So lass nun unsere Sehnsucht damit
anfangen, dich zu suchen,

und lass sie damit enden,

dich gefunden zu haben.

Jahr für Jahr versucht Gott, etwas von dieser Sehnsucht zu stillen, indem er uns mit der Geburt seines Sohnes seine Liebe zeigt. 

Dabei kann unsere Sehnsucht auch etwas Gutes sein:

Sie hält uns lebendig, sie treibt uns dazu an, nach Neuerem und Besserem zu
streben. Ich jedenfalls werde wohl nie aufhören, nach meinem „perfekten“ Weihnachtsfest zu suchen!

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sehnsüchtig bleiben, sich weiterzuentwickeln, und dass Sie dafür die nötige Kraft aus der Liebe Gottes ziehen können, die er uns in der Adventszeit und im Weihnachtsfest schenken will.

Gottes Segen für Sie und für alle Ihre
Lieben!

Ihre
Leandra Büttner, Pastoralassistentin

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